Inhaltsverzeichnis
Die Logik der Differenz
Das Weibliche im Anderen
Fetisch und Maskerade: Figuren und ihre Zerstreuung
Kultur- und Zeitanalyse
Sozialanalyse: Denker und Bürgertum
Das Steppenwolf-Symbol
Göttliche Spur, göttliches Fragment
Figurenkonstellationen 1: Maria
Figurenkonstellationen 2: Pablo
Figurenkonstellationen 3: Hermine
Dénouement: Nur über ihre Leiche
Endnoten
Literaturverzeichnis
Die Logik der Differenz
"Eine dekonstruktive Lektüre zeigt in den Texten, wo und inwiefern sie etwas ausplaudern können und müssen, was sie nicht sagen wollen, und kann insofern feministisch sein; denn sie liest eben jene Prozesse, mit denen der Text ebenso das Modell der Repräsentation unterläuft wie die Opposition Männlich/Weiblich modifiziert, indem sie im Text differentielle - verstellte Orte der weiblichen Differenz produziert, jene ZwischenRäume also, die dieses theoretische Modell ebenso wie der im Text dargestellte und (als Metapher) inszenierte männliche Blick im Zeichen einer zweiwertigen Logik der Repräsentation verstellen. Eine feministische Theorie als re-reading liest die Verschiebung und die Aporie der Struktur der literarischen Texte und insofern deren - immanente Dekonstruktion: den Text als dekonstruktive Lektüre seiner selbst."
Bettine Menke, Verstellt - der Ort der 'Frau'. Ein Nachwort
"The Real is unstable and perpetually in flux" - so definiert Jane Flax die
ursprünglich von Derrida als Kritik der abendländischen Metaphysik gedachte Antwort auf den Essentialismus der Begriffe, der sich in der Konstruktion vielfältiger Oppositionsstrukturen materialisiert, um das Sein oder die Wirklichkeit unter Kontrolle zu bringen. Diese Reduzierung des Seins auf entscheidbare, d. h. festgestellte und begrifflich erstarrte Schemata der Bezeichnung widerspricht der Un/differenziertheit, der Un/entscheidbarkeit des Seins als immer schon Verschwundenes - es ist immer nur bemerkbar als Ort, an dem sich eine Spur seiner vorgängigen Präsenz erhalten hat: Es rinnt im wahrsten Sinne des Wortes durch die Finger wie Sand. Die Oppositionen - wie Identität und Differenz, Natur und Kultur, Männliches und Weibliches -, die diese Amorphität des Seins verdecken, präsentieren eine behauptete Gewißheit um das Sein als immer und jederzeit Gegenwärtiges. Sie betrügen damit nicht nur sich selbst über die Instabilität ihrer Struktur, sondern leugnen mit einer Hierarchisierung der Oppositionen - einer Präferenz von Identität, Kultur, Männliches vor Differenz, Natur, Weiblichem - auch sprachlich die Un/bestimmtheit, den Un/sinn eines fließenden Seins. Insofern aber dieses Projekt der Abdrängung der "Differenzierung" schon im Anfang zum Scheitern verurteilt ist, setzt der erste Ansatz einer dekonstruktiven Lektüre ein: Die Abdrängung des "Anderen", des dominierten Begriffs, z. B. des Weiblichen durch das Männliche, bleibt nicht rückstandslos auf der Ebene der Zeichenstruktur eines Textes, sondern transportiert sich als "Schriftrest" in den Text. Dieser "Schriftrest" ist die Markierung des Scheiterns des Textes, zugunsten einer Zelebrierung von Repräsentativität, d. h. einer geglaubten Anwesenheit von Sein im Zeichen, die Differenzen in den Signifikanten des Textes zu beseitigen. Denn das Zeichen behauptet durch einen referentiellen "Kurzschluß" - den Derrida auf die Dominanz der illusionären Struktur des Sprechens schiebt - eine per definitionem mögliche und damit grundsätzliche Anwesenheit des Seins bzw. des bezeichneten Gegenstandes in der Sprache. Aber das Spiel der Signifikanten, das die Unbestimmtheit des Seins repetiert, ohne sie abzubilden, unterwandert die referentielle Gleichschaltung von Signifikant und Signifikat, denn "the signified is forever evasive". Der Text - und hier der literarische Text - versucht die - weiblichen - Differenzen in sich selbst zu unterdrücken - er mißt sich an dem Erfolg des Versuchs, das eigentlich nicht zu Bezeichnende zu bezeichnen, das Unbestimmbare zu bestimmen, also: Sinn zu konstituieren und Un/sinn zu verstecken. Aber wie ein Versteck als Versteck noch existent ist, ist das Versteckte spürbar an der Oberfläche ästhetisch geformter Bedeutung: "Like repressed material in the unconscious, the suppressed within the story does not lose its power; it affects the character of the wholeThe deconstructionist is particularly interested in the strategies a work uses to claim its representational authority and to hide the necessary failure of any and all representational projects."
Das Weibliche im Anderen
"Weiblichkeit ist nicht eine biologische oder kulturelle Identität, sondern das differentielle Moment, das Identität erst ermöglicht, in der zustande gekommenen Identität aber verdrängt wird. Weiblichkeit 'ist' somit eine negative Potenz, Figur der Defiguration, Ent-stellung. Weiblichkeit 'ist' deshalb das Moment, das Identität durchkreuzt; 'Frau' der Ort, wo die Fixiertheit des Geschlechtes durch das Spiel von Differenz und Division ver-rückt wird, wo Geschlecht, Bedeutung und Identität gleichzeitig erschaffen und zersetzt werden."
Barbara Vinken, Dekonstruktiver Feminismus - Eine Einleitung
Wie kommt nun der Begriff der Weiblichkeit als Differenz ins Spiel? Weiblichkeit ist kein essentialistisch, z. B. anatomisch oder charakterologisch zu fassender Begriff, keine Entität, in der gewisse Merkmale definiert werden: Weiblichkeit ist eine Markierung von Differenz, eine Struktur des Mangels, eine Lücke zwischen Subjekt und Objekt des Begehrens. Dies erklärt den Versuch, Weiblichkeit als Differenz auszulöschen, um den Graben der Begierde zu füllen, aber auch, daß dieser Versuch unerfüllbar bleiben muß. Denn nur diese Lücke bedingt die Konstitution des Subjekts als Subjekt, nur in der Unerfüllbarkeit des Begehrens, in einer Struktur des Mangels oder der Kastration, kann Subjektivität als existentielles Moment bestehen. Die Genese dieser Struktur des Mangels, der Kastriertheit als Lücke im System des Begehrens, führt zurück auf Lacan: "In Lacan's theory the individual is not in reality the harmonious and coherent totality of ideological misrecognition. The mirror-phase, in which the infant perceives itself as other, an image, exterior to its own perceiving self, necessitates a splitting between the I which is perceived and the I which does the perceiving. The entry into language necessitates a secondary division which reinforces the first, a split between the I of discourse, the subject of the utterance, and the I who speaks, the subject of the enunciation. There is thus a contradiction between the conscious self, the self which appears in its own discourse, and the self which is only partly represented there, the self which speaks. The unconscious comes into being in the gap which is formed by this division. The unconscious is constructed in the moment of entry into the symbolic order, simultaneously with the construction of the subject. The repository of repressed and pre-linguistic signifiers, the unconscious is a constant source of potential disruption of the symbolic order." Der Eintritt des Subjekts in ein linguistisches System, die Verdrängung des Unbewußten als Eintrittskarte in die soziale Sprachgemeinschaft, ist nicht eine einfache Teilung, in dessen Schluchten sich die Sehnsucht nach der - mütterlich geprägten - Ganzheit verliert - die Teilung wird markiert durch die Position, die das Subjekt zum Phallus als primäre symbolische Markierung einnimmt. Phallus und Kastration befinden sich nicht im anatomischen Konflikt - sie markieren eine symbolisch-linguistische Funktionsbeziehung, in der das sprechende Subjekt in einem "phallischen" Doppelgestus die Lücke als Marke der Kastration zu überwinden sucht - und gleichzeitig beständig über sie stolpert. Verkürzt könnte man sagen: Ohne (weiblichen) Mangel in der Kastration keine (phallische) Bedeutung, eine Bedeutung, die Begriffe wie "Männlichkeit" und "Weiblichkeit" nur noch strukturell, d. h. nicht-biologisch, faßt. Insofern verschiebt sich eine traditionelle Auffassung psychoanalytischer Begriffe: "Both genders appear to be constituted in and marked by castration. One is gendered in and through one's relation to the phallus. As a signified (subject), one is inscribed within and/or outside the phallic function." Kastration als Differenz als das Andere als Weiblichkeit wird zum nicht-substantiellen Motor, der den Text als Schrift als Repräsentation als Männlichkeit generiert, aber in dieser Genese beständig verleugnet wird. Der Text als illusionäre Struktur von Referentialität ist wie ein Deckschirm, eine blinde Wand, zwischen männlich bedeuteter Repräsentativität und deren abgespaltener Weiblichkeit - ein Deckschirm vor der Weiblichkeit des Textes. "Wenn Weiblichkeit tatsächlich zu einem Signifikanten der Kastration wird, handelt es sich hier keineswegs um die Verkörperung buchstäblicher Kastration, die Verbuchstäblichung der Figur der Kastration (wie es mitunter bei Freud der Fall ist), sondern vielmehr um Kastration als einen differentiellen Prozeß der Substitution, der im Gegenteil Buchstäblichkeit als solche subvertiert." ...
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Interpretationen zu Hermann Hesses "Der Steppenwolf" -
Interpretations on Hermann Hesse's "Steppenwolf"
Gladbeck, KFVR 2000
ISBN 3-931300-05-6
Stimmen zum Text:
ein interessanter Ansatz, Nadine Vonow: Der Steppenwolf und Peter Weiss, unter: hessesolothurn.ch
Some critics... open the possibility of another interpretation of the role that the bourgeoisie may play in Steppenwolf based on the meaning attributed to other images in the novel such as the mother image., Pantagruelle: The Steppenwolf's Perception Of The Bourgeoisie and His Escape From It
Literaturempfehlung, Brent Dean Robbins: Jacques Lacan, in: Mythos & Logos - Existential-phenomenological philosophy, literature and perennial philosophy
Literaturempfehlung, Dr. Ingo Cornils: Hermann Hesse, University of Leeds - Department of German
Literaturempfehlung, Frances Theresa Nowve, Concord, California: The Magic Theater
of Hesse's Steppenwolf
Literaturempfehlung, Timo Reith, Hesse-Portal, unter: meome.de
Literaturempfehlung, Prof. Dr. Hong, Soon, Dept. of German Language & Literature, Mokwon University, Korea
Literaturempfehlung, LTHS & RBHS Engaged Learning Projects, Illinois, USA: Resources for Hermann Hesse
Literaturverzeichnis
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Theodore Ziolkowski, Hermann Hesses "Steppenwolf". Eine Sonate in Prosa, in: Volker Michels (Hg.), Materialien zu Hermann Hesses "Der Steppenwolf", Frankfurt am Main 1972, 353-377
Lesen Sie auch die Rezension von Franz Wegener:
/steppenwolf.html
English translation:
steppenwolfeng.html
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