Fast fünf Jahre dauerte der Kampf um die Baugenehmigung für die Moschee in der 80 TSD-Einwohner starken Ruhrgebietsstadt Gladbeck. Nach Hassel und Marl ist es jetzt die dritte Moschee im Ruhrgebiet.
"Was ist das", fragt die kleine Cemile ihren Vater und zeigt dabei auf eine Kirche. "Dort beten die Christen", antwortet der Vater. "Aber wir sind doch Muslime", sagt das Mädchen. "Wo beten denn wir?" Und der Vater zuckt mit den Schultern.
So wie es der sechsjährigen Cemile geht, ergeht es fast allen Kindern islamischen Glaubens. Sie werden in Deutschland in der vierten und fünften Generation geboren, wachsen zweisprachig auf, nur ihre Religion können sie nicht ausleben. Dazu fehlen ihnen und ihren Eltern und Großeltern große Gebetshäuser oder Moscheen. Für die circa 5000 in Gladbeck lebenden Muslime ist jetzt ein Traum in Erfüllung gegangen: Sie bekommen eine Moschee an der Ecke Bramsfeld / Wielandstraße in Butendorf.
"Fast fünf Jahre haben wir dafür gekämpft", berichtet der 31jährige Tischler Ahmet Akbaba. Er ist Mitglied im Ausländerbeirat der Stadt Gladbeck und engagiert sich stark für die Moschee: "Daß es nun klappt, haben wir mit Sicherheit der neuen schwarzgrünen Mehrheit zu verdanken."
Allerdings verweist Akbaba auch auf einen neuen Trend: "Früher haben wir in alten Häusern gewohnt und alte Autos gefahren. Wir wollten irgendwann zurück in die Türkei. Vor neun Jahren haben wir beschlossen, daß wir bleiben. Jetzt wohnen wir in guten Häusern, fahren neue Autos, machen neue Geschäfte auf." Jetzt, wo die Frage nach der Heimat geklärt ist, werden auch repräsentative Gebetshäuser errichtet, um den islamischen Glauben auszuleben. Schon jetzt wurde mit dem Rohbau der Moschee begonnen. Ihre Vorbilder finden sich in Gelsenkirchen-Hassel und Marl. 2,5 Millionen DM soll das Wunderwerk osmanischer Baukunst schätzungsweise kosten, das mit einem Minarett ausgestattet sein wird. Finanziert wird es durch Spendengelder und Leihgaben all derer, die das Projekt unterstützen.
"Wir haben circa 300 Mitglieder", berichtet Karalioglu Satilmis, Vorstandssekretär im ,Diyanet Türk-Islam Kultur Landstraße', dem Kulturverein, der für den Moscheebau zuständig ist. "Wir sind sicher, daß durch den Neubau neue Kontakte in der Bevölkerung zustandekommen."
Neue Kontakte sind sicherlich wichtig, denn das Problem, das viele Bürger christlichen Glaubens mit Muslimen haben, ist in erster Linie deren Fremdheit. "Daß die Leute sagen: Ihr lebt ja wie im Ghetto, ist für uns wieder ein Grund noch enger zusammenzuhalten", ist der Vorwürfe trauriger Schluß, den Akbaba auf den Punkt bringt. Aber auch der verfestigte islamische Glaube selbst, ist den Christen fremd: Fasten bei Ramadan, das fünfmalige Gebet am Tag und die Waschungen (Abdest) vor jedem Gebet. Erst werden die Hände gewaschen, dreimal der Mund und die Nase durchspült, dann das Gesicht bis zum Haaransatz, die Unterarme bis zum Ellbogen, der Hals und zum Schluß die Füße bis zum Knöchel gewaschen. Die ,Abdest` ist ein aufwendiges Ritual zur Reinwaschung, aber ein striktes Gebot des Koran. Die Frauen und die Männer beten in getrennten Räumen. "Wenn ein Mann eine Frau sieht, hat er andere Gedanken", bekennt Akbaba. Selbst das stehe im Koran, die Schrift des Mohammed. Und darauf angesprochen, daß er raucht, äußerte er sich zu den Verboten (Haram): "Es heißt im Koran: Du mußt dich schonen. Alles, was dir schadet, ist verboten. Rauchen ist nur ein kleines Delikt. Fremdgehen ein schweres."
Akbabas Frau trägt auch ein Kopftuch, das gibt er gerne zu. Draußen und in der Küche. Doch, daß seine Frau im Wohnzimmer nicht verhüllt ist, sehe natürlich keiner. "Die Frau soll sich schonen für den Mann", schließt Akbaba. "Dazu gehört auch, daß sie keine engen Kleider trägt. Viele Deutsche sagen: Ihr behandelt eure Frauen so schlecht. Wir zwingen sie aber nicht, nach dem Koran zu leben. Das tun sie, weil sie auch glauben."
Ein Leben, in dem der Glaube eine derartige Rolle spielt, braucht eine Moschee. Nach Gladbeck müssen weitere gebaut werden, damit erkannt wird, daß es eigentlich Kirchen sind. Mit Jugend- und Spielräumen im Keller, einer Hausmeisterwohnung und einem Minarett, von dem aus nach alter Tradition zum Gebet gerufen werden könnte. Um andere Bürger nicht zu stören, verzichten die Gladbecker Muslime auf den Gebetsruf.
Harald Landgraf
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