Die Pflanze Weihnachtstern in Marokko
 

Filmkritik:
Don Juan de Marco

Rezension von

Eva-Maria Stuckel

   

Zum Glück sind es keine "Legenden der Leidenschaft" geworden. Johnny Depp in der Rolle der romanischen Sagengestalt Don Juan, als legendärer Verführer holder Weiblichkeit, als mozartianischer Don Giovanni?

    Das wäre der klassische Stoff für kinematografische Girlie-Extasen gewesen. Statt dessen ironisch untersetzte Therapiesitzungen des - nach Brad Pitt und Keanu Reeves - dritten Hypestars im Hollywood-Bund der Knackärsche und Waschbrettbäuche. Die neue Romantikwelle, ein Gebräu aufgesetzter Legenden und destillierter Leidenschaft, schwimmt inklusive ihrer Parodie durch die Drehbuchgewässer und spült uns so metaphysische Menschheitsfragen wie zum Beispiel "Was ist Realität und was Einbildung?" vor die Füße. Diverse psychiatriekritische Subströmungen wie Sinn und Unsinn von Psychopharmaka garantieren für die politisch korrekte Tiefenerosion. Und welcher Psychiater könnte unserem eskapistisch-erotomanischen Patienten besser gewachsen sein als der tahitianische Dauerexilant und Ex-wild-boy Marlon Brando? Meine abschließende Diagnose: Ein nettes Zeitgeist-Aperçu gegen langweilige Montagabende.


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