Die Pflanze Weihnachtstern in Marokko

Filmrezensionen: Apollo 13/Species

Franz Wegener

   

Als Kinder nannten wir das Ganze Verstecken und Erschrecken: Einer steht hinter der nächsten Ecke und springt dich an, sobald du um die Ecke biegst
.

Als Kind hat das noch Spaß gemacht und die filmische Umsetzung des Themas in den ersten Horrorfilmen hat auch noch gewirkt, denn wir wußten nie: Ist der Lärmemittent hinter der Ecke nun a) die Katze, b) eine Fledermaus, c) eine Ratte oder d) das Monster? Im Science Fiction Bereich wurde das Spiel vor allem von den Alien"-Machern gespielt, die uns bereits Ende der 70er Jahre mit hinter der Ecke lauernden Sabbermonstern verängstigten. Einen kleinen Abriß der Geschichte dieser Alien-Darstellungen im Film finden Sie auf Seite 7. Metro-Goldwyn-Mayer bringt uns nun mit Species" eine weitere Umsetzung dieses Themas: Wissenschaftler (u.a. Ghandi-Darsteller Ben Kingsley) dechiffrieren aus dem All kommende Funksprüche als Genbaupläne. Um diese zum Leben zu erwecken, wird ein Kind namens Sil", das sowohl menschliche als auch extraterristische Erbanlagen erhält, gezeugt. Über Nacht wächst das Kind von einem 10jährigen Mädel zu einer 21jährigen Superblondine heran. Eigentlich müßte die Gute dieser Schnellwachslogik folgend am nächsten Morgen zur Greisin gealtert sein - aber die hätte wohl weniger Sex-Appeal und würde damit die Hollywood Zielgruppe der 20-40jährigen verschrecken.

So bleibt die Logik auf der Strecke und das Geld in der Kinokasse. Um sich fortzupflanzen, braucht die Dame aus dem All Männer - menschliche Männer. Hier kommt ihr wieder ihre Optik zu gute und nachdem sie schwanger ist, wird das Objekt ihrer Begierde kurzerhand getötet. Das mag eine Parabel auf Single-Frauen sein, die ein Blag abzocken und fortan bequem vom Sozialamt leben statt sich der Tyrannei eines Pantoffelmachos zu stellen. Das kann aber auch eine Wiederaufnahme der erstmals in der Verhängnisvollen Affaire" umgesetzten AIDS-Paranoia sein. - Sie dürfen sich was aussuchen. Ärgerlich ist und bleibt die Konstruktion dieser Art von Science Fiction: Da befinden sich Jahrmillionen Lichtjahre von uns entfernt Wesen, die uns so überlegen sind, daß sie encodierte DNA per Funk transferieren können. Sie müßten eigentliche eine wunderbare, entwickelte Gesellschaft haben. Aber was sind sie? Sabbernde Schleimmonster mit schlechten Zähnen, die nichts besseres zu tun haben, als hinter Ecken zu stehen und Verstecken und Erschrecken zu spielen. Das war schon früher und ist auch heute noch unsinniger Müll.

Anders dagegen die Verfilmung der von Unglücksfällen überschatteten Apollo 13 NASA-Mission durch Regisseur Ron Howard. Der Universal-Film hält sich bis in die kleinsten Details an die historischen Fakten. Selbst das durch die Kapsel schwerelos gleitende Kofferradio ist korrekt wiedergegeben. Ron Howard ist auch nicht der Versuchung erlegen, die Story durch neue Nebengeschichten aufzumotzen. Er hat dankenswerterweise erkannt, daß die Geschichte der Rettung der von Sauerstoffverlust, Erfrieren und Verbrennen bedrohten Astronauten für sich bereits eine große Geschichte war und ist. Eine Geschichte, die vom tiefen US-Zukunftsoptimismus der 60er durchfärbt ist. Visionen wurden umgesetzt und scheiterten nicht wie die US-Gesundheitsreform an kleinlichen Finanzfragen. Die Integration der Afroamerikaner schien nur noch eine Frage der Zeit - und doch zeichnet der Film nicht nur schön: Die Streichung zukünftiger Apollo-Programme wird ebenso angesprochen wie die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Auslebens geologischer Sammelleidenschaft ausgerechnet auf dem Mond. Der Film ist geprägt vom Glauben an die Machbarkeit von Visionen, der Machbarkeit des Unmachbaren. Ein Glaube, der im heutigen Amerika fehlt. Und daß diese Machbarkeit nicht unbedingt eine Frage von technischem Fortschritt ist, zeigt Folgendes: Die Rechenleistung für die Apollo 13 - Mission wurde damals erbracht von einem Computer mit der Rechenleistung des Apple Computers, der jetzt gerade vor mir steht und mit dem ich diese Filmkritik tippe. - Nur, daß meiner auf einem Schreibtisch Platz findet und daß der NASA-Computer mein Wohnzimmer gefüllt hätte. Eilige Berechnungen wurden damals noch mit dem Rechenschieber erledigt - von Hand!

Der Film vermittelt mit seinen tiefschwarzen Allaufnahmen aber auch zugleich die Kälte, die mit der Erstbetretung des Mondes durch einen Amerikaner über die Erde gekommen ist: Da oben war nur Staub. Und Stille. All die lunaren Mythen der Menschheit, die den Mond in ihr Zentrum rückten, wurden entleert. Der Mond als utopische Projektionsfläche für menschliche Träume, Visionen und Ängste wurde über Nacht zu einem Brocken Gestein inmitten eines einsamen, klanglosen Alls degradiert. Es ist diese Leere, die den Film zu einem eigenartigen Transporteur von Tragik und Kälte macht. Wir haben noch nie einen Mann dort oben verloren", konstatiert der Missionsleiter Gene Kranz im Film. Recht hat er. Aber da war noch etwas anderes.


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Filminfos auch unter:
http://www.mca.com/universal_pictures/apollo13/index.html
http://www.mgmua.com/species/

   
   
   
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